Dienstag, 25. Januar 2011

Zu Besuch im Abschiebegefängnis


Hintergrund
Jede Woche gehe ich mit der bezoekgroep (Besuchsgruppe) auf Besuch ins Abschiebegefängnis Schiphol-Oost. Einmal Mittwoch abends und in der darauffolgenden Woche dann Freitag abends, um Gefangene aus beiden dortigen Abteilungen besuchen zu können.
Insgesamt sitzen im Gefängnis bei Schiphol ca. 70 männliche und weibliche Flüchtlinge, die meistens direkt vom Flughafen abgefangen wurden, weil sie keine (echten) Papiere hatten. Die meisten Insassen sind jedoch männlich und erschreckend jung - kaum älter als ich. Die Menschen werden hier mit dem Ziel festgehalten, sie wieder ins Land der Einreise zurückzuschicken, nicht etwa, weil sie ein Verbrechen oder etwas dergleichen begangen hätten.

Besuch
Auch beim 100. Besuch im Abschiebegefängnis Schiphol-Oost muss noch jedes Mitglied der bezoekgroep seinen Ausweis vorzeigen, anders kein Einlass. Dann passieren Schlüssel, Schuhe, Gürtel und andere Dinge getrennt von den Besuchern den Metalldetektor, der bei vergessenen Metallgegenständen unheimlich laut piept.
Hat es auch der letzte Besucher durch die Maschine geschafft, werden wir von den Wärtern in den Besuchsraum geführt, welchen wir vor dem Eintreffen der Gefangenen noch etwas herrichten - Tischdecken, Wörterbücher, Spiele, Obst, Saft, Schokolade und diverses Knabberzeug.
Dann werden die Insassen hereingeführt.
Hände werden Geschüttelt, Insassen wiedererkannt, Insassen vermisst. Manchmal weiß man nicht, was besser ist.
Die Perspektiven der Gefangenen sind so oder so eine Wahl zwischen Pest und Cholera. Die Hälfte wird wieder in ihr Einreiseland zurückgeschickt - Einreiseland, nicht Herkunftsland. Viele Flüchtlinge können aber nicht direkt aus ihrer Heimat ins Zielland kommen und machen deswegen oft einen weiten Umweg über mehrere Zwischenländer. Das Bedeutet, dass eine Frau aus Somalia nach Marokko abgschoben wird, oder ein junger Mann aus dem Gaza-Streifen, in China landen soll.
Besteht keine Chance auf Aussetzung (z.B. weil die Herkunft eines Flüchtlings nicht nachgewiesen werden kann), dann kann ihre Haft auf bis zu 18 Monate verlängert werden. Spätestens nach Ablauf dieser Zeit, werden sie einfach so vor dir Tür gesetzt - ohne Geld, Dach über dem Kopf, oder Arbeitserlaubnis - mit der Aufforderung, das Land binnen 24 Stunden zu verlassen. Oft werden sie dann nach einiger Zeit wieder gefangen genommen und aufs Neue inhaftiert.

Die Gespräche
verlaufen erstaunlicherweise immer ziemlich gut, obwohl man nicht immer eine gemeinsame Sprache findet. Manche Insassen können dann auch wiederum für andere übersetzen usw. Aber eigentlich sind sie meistens einfach nur froh, dass jemand da ist, denen sie ihr Herz ausschütten, ihr Leid klagen, oder von ihrer Familie zu Hause erzählen können. Egal, ob man nun jedes Wort versteht, oder nicht. Meistens versuche ich, nicht zu viele persönliche Fragen zu stellen, um ihnen nicht das Gefühl zu geben, sie würden verhört. Die Grenze zwischen Interesse zeigen und zu weit fragen ist doch sehr schmal. Und wenn ein Gespräch mal schwieriger läuft, spielen wir dann oft einfach ein gemeinsames Spiel, um eben gemeinsam zu lachen, und die Flüchtlinge ihre Situation eben vergessen lassen zu können. Doch wie gesagt, meistens erzählen sie erstaunlich viel und fassen schnell Vertrauen - die Besuchsgruppe, die schon Jahrelang besteht, muss demnach einen sehr guten Ruf unter den Gefangenen haben.
So kenne ich von manchen Insassen, die ich von Woche zu Woche wiedersehe, fast die ganze Geschichte. Es ist so schön zu sehen, wie gut es vielen tut, Besuch zu bekommen und zu sehen, dass sich nicht jeder nur einen Dreck um sie schert. Oft herrscht sogar ziemlich heitere Stimmung, z.B. wenn ich verzweifelt versuche, mir arabische Begrüßungsfloskeln zu merken und auszusprechen, oder die Insassen untereinander spaßeshalber mit Saft dealen. 

Da muss ich schon manchmal aufpassen, dass ich nicht unpassenderweise "toll" antworte, wenn mich jemand fragt, wie meine Besuche im Gefängnis denn so sind. 


 Denn schlussendlich sind sie nur inhaftiert, weil sie versucht haben, ihr Leben zu verbessern, zu verändern oder schlichtweg zu retten. Grundlegende Menschenrechte werden ihnen teilweise verwährt. Die Sicherheit FÜR die Insassen ist nicht ausreichend gewährleistet. So kamen am 27. Oktober 2005 11 Flüchtlinge bei einem Brand im Zellenkomplex in Schiphol ums Leben, dank unzureichender Sicherheitsvorkehrungen. Auch heute noch wird ihnen gedacht, u.a. bei den sonntaglichen Mahnwachen am Gefängnis, an denen ich auch teilnehme (siehe Bild).

Ein Familienvater aus dem Libanon sagte in den ersten Gesprächen einmal zu mir: "Meinst du, ich wollte von zu Hause weg? Ich hatte eine Familie, ein Haus, Arbeit, sogar einen eigenen kleinen Transportwagen. Wenn ich eine Wahl gehabt hätte, hätte ich dann mein gesamtes Hab und Gut, mein Leben zurückgelassen? Nein. Ich wollte nicht weg. Aber wäre ich geblieben, wären meine Familie und ich jetzt wahrscheinlich tot."
Die, die Motivation für Immigration mit schlichter Habgier begründen, täten gut daran, einen Schritt weiter zu denken. Man kann nur alles zurücklassen und alles auf eine Karte setzen, wenn man schlichtweg nichts mehr zu verlieren hat. Und wer Schuld an den miserablen Zuständen in armen und Kriesenländern hat, sind genau die Länder, die Immigranten aus eben diesen Ländern später nicht haben wollen. Soviel meine Meinung dazu. Danke, Welt.

Wer Interesse daran hat, sich darüber hinaus über die Besuchsgruppe zu informieren, kann sich diese beiden Links anschauen:


Außerdem möchte ich euch/Ihnen nochmal die Catholic Worker Amsterdam - Homepage ans Herz legen, die u.a. die Mahnwachen organisieren. Also wir. Also mit uns. Genau.

Ansonsten freut sich die Besuchsgruppe auch immer über neue Mitglieder, bei Interesse also unbedingt melden!

Naja, ich jedenfalls habe das Gefühl, mit diesen Besuchen das Richtige und etwas Gutes zu tun, wenn ich schon nicht den Weltfrieden herbeizaubern kann, was, zugegebenermaßen, ein doch etwas hoch gestecktes Ziel wäre.

Montag, 17. Januar 2011

Projektbericht

Für alle dies interessiert, hier mein erster Projektbericht zum downloaden:
Projektbericht Nr. I


Weitere Blogeinträge folgen (hoffentlich) bald ;)
Alles Liebe,
Caro

Dienstag, 7. Dezember 2010

Von Thanksgiving, Sinterklaas und kleinen großen Wundern

Wie scheinbar alle ASF-er mit guten Vorsätzen, schaffe auch ich es nun nicht mehr, allzu oft Blog zu schreiben. In letzter Zeit ist einfach so viel passiert und ich war ziemlich eingespannt. Dennoch will ich euch das alles nicht vorenthalten und nehme mir jetzt doch ein bisschen Zeit zwischen Projekbericht, Nieuwsbriefstress, Vorweihnachtsorganisation und Kindergeschrei.

Thanksgiving
Am 25.11. haben wir - ganz amerikanisch - Thanksgiving gefeiert. Das kommt daher, dass der ursprüngliche Gründer des JNH damals von diesem amerikanischen Fest inspiriert wurde und dieser Tag seither dazu genutzt wird, Danke zu sagen.. Zwar wurde wohl der Ursprung des Festes kurz erklärt, aber es ging mehr darum, einen Tag zu haben, an dem jeder danken konnte, für das, was ihm oder ihr eben wichtig ist. Dazu gab es dann ein großes Festessen (zwar dank Geldmangels mit Hühnchen anstatt Truthahn, aber trotzdem sehr lecker und sehr viel) und vielen Gästen. Auch das Spiel-/Fernsehzimmer wurde zum Esszimmer umfunktioniert.



Sinterklaas - Vorbereitungen
Am Sonntag, 05.12.,war er also endlich da, der lang ersehnte Pakjesavond. Dem voraus ging ein ganzer Berg an Organisation und Vorbereitung und das noch unter den Bemühungen, die Kinder JA NICHTS davon sehen zu lassen. Das hat mich in den letzten zwei Wochen die meiste Zeit gekostet. Erst die Mitorganisation von Thanksgiving und dann noch vom Sinterklaas-Abend:

Ich hab mir fast ein Bein abgerissen, bei dem Versuch für 3 kleine Mädchen zwischen 2 und 6 jeweils ein kleines und ein großes Geschenk innerhalb eines bestimmten finanziellen Rahmens zu finden, habe scheinbar endlos viele (naja, 41) Schokobuchstaben für alle Bewohner + mögliche Besucher gekauft und eingepackt, dafür und für die Geschenke für tonnenweise Geschenkpapier und Namensaufkleber gesorgt, für Sinterklaas typische Süßigkeiten gesucht und gekauft, von denen ich vorher noch nie was gehört hatte, geauso wie die Verpflegung für den Abend selbst, habe anderen Bewohnern mit ihren Geschenken geholfen und wieder und wieder erklärt wie das nun funktioniert, kontrolliert, ob die Mütter die Geschenke für ihre Kinder gekauft hatten, für Alternativen gesorgt, Geschenklösungen für kurzfristige Doch-noch-Mitfeierer organisiert, einen Kragen für unser Zwarte-Piet-Kostüm genäht (oder zumindest versucht) und so weiter...
Nebenbei habe ich dann noch mein eigenes Sinterklaas-Geschenk für Yang Yang entworfen, gekauft und gebastelt und darüber hinaus versucht, keine von meinen Standartaufgaben zu vernachlässigen.

Ich hoffe, man kann sich nun ein grobes Bild davon machen, womit ich die letzte Zeit beschäftigt war und kann verstehen, dass ich nicht lüge, wenn ich sage ich hatte teilweise 11-Stunden-Arbeitstage.
Und dennoch hat alles bis auf ein bis zwei kleine und einen mittelgroßen Fehler besser geklappt, als ich dachte, und ich bin froh, das alles unter einen Hut bekommen zu haben.
Und natürlich hatte nicht nur ich, sondern die ganze Kerngruppe ziemlichen Stress in letzter Zeit, was aber letztendlich zu einem gelungenen Sinterklaasabend geführt hat.


Sinterklaas - Der Pakjesavond
Nach dem Abendessen sangen die hibbeligen Kinder dann nochmal ganz laut und enthusiastisch Sinterklaaslieder, als plätzlich ganz laut an der Tür geklopft wurde und auf einmal 5 Säcke voller Geschenke vor der Tür standen.
Reihum durfte dann jedes Kind ein Geschenk aus den Säcken holen, aber nie für sich selbst, sondern immer für ein anderes Kind. Mit dem ganzen Auspacken, dem Geschrei, der Freude und dem Präsentieren der Geschenke hat sich das ganze doch etwas hingezogen, bis die Kinder dann glücklich ins Bett gingen. Und ich war auch glücklich, dass die Geschenke von mir ziemlich gut angekommen sind. Die Mühe hat sich also gelohnt :)






















Danach war dann der Erwachsenenteil dran. Zwei Wochen vorher hatten alle, die mitmachen wollten, den Namen einer anderen Person gezogen. Für diese mussten sie dann für 12 Euro ein oder mehrere Geschenke kaufen. Der eigentliche Teil daran ist aber, dass man das Geschenk nicht einfach in Papier einwickelt, sondern eine surprise macht - etwas, was irgenwas mit der Person oder dem Geschenk zu tun hat und/oder sie irgendwie ein bisschen veräppelt. Außerdem sollte man ein Gedicht für seine Person schreiben. Das ist mir zwar gelungen, hat aber Verwirrung bei den nicht-Niederländern und lautes Gelächter bei den Niederländern verursacht. Egal, ich fands jedenfalls super.



Für Yang Yang hatte ich ein Haus gebastelt, da sie nach ihren Papieren nun auch noch eine Wohnung in Utrecht für sich und ihren kleinen Sohn bekommen hat. Darin allerlei Dinge, die man so für den Anfang gebrauchen kann. Sie hat sich gefreut und ich mich deshalb auch :)
 

Ich selbst war ziemlich ratlos, was meine Wünsche anging und so habe ich mir einfach nur eine Blumenranke gewünscht, um mein Fahrrad zu verschönern. Die war aber letztendlich von Geeske so wunderschön in Szene gesetzt, dass das ganze Gebilde nun an meine Wand kommt und ich mir trotzdem noch eine Blumenranke kaufen muss xD























Andere Geschenke waren zum Beispiel :







Ein Maßbecher, verpackt als Gießkanne für Blumenliebhaber Frits

















Ein Herz für Geeske, die Freiwillige mit dem grooooßen Herzen





















Ein Floß mit Äffchen für Liesbeth, die 9 Jahre in Afrika gelebt hat










Auch die Auflösung zum Schluss, das "wer-hatte-wen", sorgte für Erheiterung, als sich zum Besipiel herausstellte, dass sich das einzige teilnehmende Päärchen gegenseitig und unsre Erithreerin selbst gezogen hatte, ohne was zu sagen :D

Zusammenfassen lässt sich sagen, dass die ganze stressige Vorbereitungszeit trotzdem (oder deshalb?)
ziemlich spannend und schön war, genauso wie der Abend an sich.
Auch wenn bei mir zwischendurch der Hier-ist-zu-viel-Sinterklaas-und-zu-wenig-Vorweihnachten-Frust durchkam, und ich mein Zimmer, ganz im deutschen Stil und gegen sämtliche niederländischen Traditionen, schon vor Sinterklaas weihnachtlich geschmückt hab ;)


Kleine Wunder, die so viel bedeuten
Und was dafür gesorgt hat, dass nicht nur ich sondern das ganze Haus in regelrechte Hochstimmung verfiel, ist die Tatsache, dass unser Mitbewohner wirklich wieder freigelassen wurde!!
Dass er nicht direkt zum Abschiebeknast weitergeleitet wurde, hat er einzig und allen dem zu verdanken, dass er einen Gefängniswärter von sich überzeugen konnte - pures Glück also. In dem Moment hat meiner Meinung nach auch das Recht versagt, wenn die Zukunft eines Menschen von der Laune eines anderen abhängt. In dem Fall natürlich im positiven Sinne, und das lässt uns mal eben das "was-wäre-gewesen-wenn" verdrängen. Doch in wie vielen Fällen sorgt eine solche Willkür eben doch für Abschiebeknast..?!
Doch im Moment denken wir darüber eher weniger nach und freuen uns lieber über das beste Geschenk, das Sinterklaas dem Haus bringen konnte.
Weihnachten kann nun also kommen. Hallelujah! :)

Donnerstag, 18. November 2010

De intocht van Sinterklaas

Nicht dass ein falscher Eindruck entsteht - es gibt natürlich auch mehr als genügend wundervolle Dinge und Erlebnisse, die (nicht allein, aber unter anderem) daran schuld sind, dass ich die Arbeit hier so liebe. Darunter fällt zum Beispiel die intocht (Ankunft) von Sinterklaas letzten Sonntag.

Um folgendes zu verstehen muss man einein grundlegenden Bestandteil der Mentalität der Niderländer kennen - die Geschichte von Sinterklaas bzw. Sint Nikolaas.

Wer jetzt denkt "Ha! Das kenn ich, das heißt doch bei uns Nikolaus", dem sage ich "Falsch." ;)

Sinterklaas ist nämlich natürlich was GAAANZ ANDERES ;)
Naja, ein paar Unterschiede gibt es dann aber doch.

Der gute Mann kommt nämlich aus Spanien, hat aber aus irgendwelchen unerklärlichen Gründen ein festes Band mit den Niederlanden. Warum interessiert keinen, ist einfach so, Punkt.
Deswegen kommt er jedes Jahr um die selbe Zeit mit seinem Dampfschiff und einer unzählbar großen Horde an "Zwarte Pieten" (sowas wie der "Schwarze Peter" und dümmlicher, lustiger Helfer von Sinterklaas) in die Niederlande.

Dieses Jahr reiste er am 14. November, also letzten Sonntag, in Amsterdam ein. Dieses Spektakel durfte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und so stand ich mit aufgeregten Kindern und sich-darüber-freuenden Erwachsenen ab 11 Uhr an der Amstel und wartete auf Sinterklaas und sein Gefolge.



Und er reiste wirklich ein! Da fuhren also ein alter Mann mit langem weißem Bart und unzählige Schwarzgeschminke in bunten Kostümen mit Booten die Amstel hinauf...!



Die Kinder sind deswegen jedes Jahr ab Mitte November komplett aus dem Häuschen. Das ist nämlich nur der Beginn des Sinterklaas-Spektakels, aber dazu später mehr.

Nach seiner Ankunft auf der Amstel wird Sinterklaas vom Bürgermeister persönlich empfangen und begrüßt und willkommen geheißen und alle freuen sich, dass er endlich da ist. Danach beginnt dann ein großer Umzug der sich über beinah 3 Stunden und durch das ganze Zentum Amsterdams zieht. Da man Sinterklaas aber nur ein Mal kurz auf seinem weißen Pferd vorbeireiten sieht


stellen die Zwarte Pieten eigentlich die Hauptattraktion des Umzugs dar. Auf Rollschuhen, Fahrrädern, Rollern, Pferden oder sogar auf Feuerwehrautos fahren gefühlte Millionen Pieten die Straße entlang.




 
Ihr Hauptjob ist es, witzig/verrückt auszusehen, witzige/verrückte Dinge zu tun, und vor allem Süßigkeiten auszuteilen. 



Essenziell dabei: Pepernoten:

(Ignorante, kulturferne Deutsche würden jetzt sagen das sind Spekulatius-Kekse, nur in rund ^^). 

Und für die Kinder gibt es nichts Größeres, als wenn sie persönlich von einem Zwarten Piet beschenkt und/oder geärgert werden, wie hier zum Beispiel Aisha :)


Auch die Polizei mag mitmachen, deswegen wird aus der Politie vorübergehend mal die Pietzie, (MEGA-Wortwitz ^^) , sogar mit eigenem Logo. Man will ja die Stimmung durch die vielen anwesenden Menschen mit den neongelben Westen nicht zu sehr drücken.



Naja, die kleinen haben jedenfalls ordentlich Süßigkeiten & Pepernoten abgestaubt. Trotzdem waren alle genauso glücklich, dass wir nach 3 Stunden in-der-Kälte-rumstehen dann doch langsam wieder nach Hause konnten. 
Abends ging es dann aber noch weiter, und zwar mit dem schoenen zetten - die Kinder stellen Schuhe auf, singen dann möglichst schön und laut Lieder für Sinterklaas und hoffen, dass der nachts mal vorbeischaut und ein kleines Geschenk in den Schuhen hinterlässt. 


  









So unwahrscheinlich ist das auch gar nicht, weil Sinterklaas ist jetzt ja in den Niederladen angekommen und beginnt nun zusammen mit den Zwarte Pieten die Sinterklaasabend-Geschenke für alle Kinder de Niederlande einzukaufen. Kein Wunder also, dass er dafür als schon drei Wochen früher anreist, der Sinterklaasabend ist nämlich erst am 5. Dezember. Und fällt damit - tataa - genau auf meinen Geburtstag ^^ Mir wurde schon vorsichtig erklärt, dass dieser dadurch wohl "leicht" in den Hintergrund rücken wird. Deswegen haben wir uns entschieden, dass ich dieses Jahr am 7. Dezember Geburtstag habe. (Wegen mir muss die "2" vornedran sowieso nicht gefeiert werden)

Und sieh an, Sinterklaas war wirklich nachts da und halt Kulis, Spielzeugdinos und andere Kleinigkeiten hinterlassen. Das macht er jetzt noch 5 Mal und dann ist DER Tag gekommen. 

Der pakjesavond ("Päckchenabend"), das Sinterklaasfest an sich, wo's Geschenke & Glückseligkeit en masse hagelt, so wichtig und vergleichbar mit dem, was bei uns Weihnachten ist. Weihnachten wird hier natürlich auch gefeiert, ist aber eher ein ruhiges Familienfest mit großem Essen. Nicht vergleichbar mit Sinterklaas.
Ein ganzes Land feiert ein Kinderfest, durchorganisiert und inszeniert von vorne bis hinten. Kein Wunder also, dass jeder Niederländer leicht traumatisiert ist, seit dem Tag, an dem er/sie erfahren hat, dass es keinen Sinterklaas gibt.

Ach ja, das leichte Unbehagen, das sich bei dem einen oder anderen breit machen könnte, wenn er an den weißen und weisen Sinterklaas mit seinem schwarzen, dümmlichen Helfer Zwarte Piet denkt, sei dabei mal außen vor gelassen. Verteidiger der Sinterklaas-Tradition sind sowieso der festen Überzeugung, Zwarte Piet war ursprünglich mal Schornsteinfeger. Ja nee is klar ;)

Dennoch soll nicht der Eindruck entstehen, die Niederländer feiern damit die Sklaverei und die Überlegenheit der weißen Rasse, wie es ein paar Hausbewohner irrtümlich verstanden haben ^^
Nur Tradition lässt sich schwer verändern, ohne dass die Tradition dabei verloren geht. Der Versuch, Piet eine grüne Hautfarbe zu verleihen, scheiterte kläglich :D

Vom besagten legendären Sinterklaas-avond werde ich selbstverständlich berichten.
 
Alles Liebe aus der Ferne ♥


Sonntag, 14. November 2010

"Wenn die Gerechtigkeit kotzt"

Passender als Sarah auf ihrem Blog (http://sarah-und-judith-in-peru.kilu.de/?p=301), hätte ich es nicht ausdrücken können, auch wenn die Situation hier eine andere ist, als in Peru.

Die Situation, dass plötzlich die Polizei vor der Türe steht und einen Hausbewohner mitnimmt. Die Situation, dass sie ihn gerade in dem Moment abholt, in dem sein Leben  - endlich - wieder bergauf geht. Einem Moment, in dem man schon fast geglaubt hätte, das berühmte Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Nach jahrelangem bergab.
Die Situation, dass ihm nun dadurch sämtliche Zukunftsperpektive, nicht nur im Bezug auf legalen Verbleib in den Niederlanden, langsam zerstört wird.

Die Situation, dass mein Nebenzimmer jetzt leer ist. Die Situation, dass nun derjenige fehlt, mit dem ich die meiste Zeit hier im Haus verbracht habe, mit dem ich reden, rauchen, lachen, lästern, feiern & ernst sein konnte. Und die Situation, die Ungerechtigkeit so deutlich vor die Füße geschmissen zu bekommen und trotzdem nichts dagegen tun zu können.

Wie kann man denn da noch von Gerechtigkeit reden, wenn das Leben der aufrichtigsten, hilfsbereitesten Menschen einfach so hin- und hergeworfen wird, nur weil sie keine Papiere haben? Nur weil irgendwelche Zettel fehlen, auf denen steht, dass man existiert?

Recht vs. Gerechtigkeit, Michael Kohlhaas live. Hat jemand zufällig Interesse an nem Räuberjob? Morgen früh gehts los, 4.30 Uhr mit brennenden Fackeln Richtung Leipzig... äh, Den Haag.



Aber vielleicht geht es ja nochmal gut, und wir haben ihn nach 24 Tagen wirklich wieder zurück. Darauf hoffen wir nun alle.

Sonntag, 31. Oktober 2010

Wenn Wasserstoffperoxid zu tief in die Kopfhaut eindringt


Vom Rechtstrend in europäischen Parlamenten blieben leider auch die Niederlande nicht verschont. Im Gegenteil, es hat sie sozusagen mit voller Wucht erwischt. Traurigerweise.
Bei den Niderländischen Parlamentwahlen vom 9. Juli 2010 erhielt die rechtspopulistische Partij voor de Vrijheid (PVV) 15,5% der Stimmen und damit 24 Sitze. 



Zum Parteiprogramm der PVV gehört vor allem eine absolute Anti-Islam-Haltung, eine radikale Verschärfung der Einwanderungsbeschränkungen und Regelungen für hier lebende Migranten, Stärkung des niederländischen Patriotismus und des Militärs etc. etc.. Was man eben so propagiert, wenn man sich "Partei für die Freiheit" nennt. Der sarkastische Widerspruch ist schon im Namen enthalten - wunderbar.

Diese rechtgerichtete, oft auch als neo-rechtsradikal bezeichnete Partei ist nun also Drittstärkste im Land.
Ihr Vorsitzender Geert Wilders ist die Vorzeigeblondine schlechthin.
 

Nur blöd, wenn das Wasserstoffperoxid nicht nur die Haare, sondern auch die Hirnzellen auszubleichen scheint. Oder wie kann man sich sonst erklären, dass er von einer grundsätzlichen Unmenschlichkeit des Islams überzeugt ist? Oder wie erklärt man sich sonst folgenden Gesichtsausdruck:...?



Dieser geniale Rückschluss von H2O2-Missbrauch auf die Intelligenz Geert Wilders' stammt von einem Redner, der heute auf dem Museumplein bei einer Anti-PVV-Demonstration gesprochen hat. Auch ein paar von uns Catholic Workern waren vertreten, mit der symbolischen "Partij voor de GASTvrijheid" ( = Partei für die Gastfreundschaft). Nettes Wortspiel mit dem Namen der PVV, aus dem sich mit ein bisschen Nachbesserung doch noch etwas Gutes machen lässt ;)


 Catholic Worker & die Partij voor de Gastvrijheid 

 
 Seifenblasen für den Frieden


Der komplette Platz voll mit Menschen. Anlass war übrigens eine Pro-PVV-Demonstration von englischen Hooligans. Diese mussten ihre Demo jedoch nach außerhalb der Stadt verlegen - wenigstens das.


Gut zu sehen, dass es auch hier Menschen gibt, die für eine gute - und darüber hinaus in anbetracht der aktuellen politischen Situation schreiend notwendige - Sache auf die Straße gehen. 


Montag, 25. Oktober 2010

Unerklärliche Horrorszenen!!


Wer am Montag, 25. Oktober 2010 zwischen Baumarkt Gamma, den Metrostationen Sparklerweg & Venserpolder, oder rund um die Dantestraat in A'dam Zuidoost unterwegs war, konnte Unglaubliches beobachten.
Verwirrte Zeugen stammeln etwas von einem "jungen Mädchen" und "Sockelleisten". Manche können das Gesehene immer noch nicht begreifen. Ein älterer Herr berichtet:  "Ich  weiß nicht warum, aber sie hatte 12 riesengroße Sockelleisten bei sich, als sie aus dem Baumarkt "Gamma" kam. Alle paar Meter hielt sie an, weil diese einfach zu groß, und vor allem zu viele für 1 Person waren. Ich hab sie dann einfach ausgelacht, als sie an mir vorbeikämpfte. Geholfen schien ihr das aber nicht zu haben."
Ein  Glück, dass niemand zu Schaden kam, als das Mädchen mit diesen Unmengen an Baumaterial auch noch in die Metro stieg!
Wenn man daran denkt, dass sich diese Schreckensszenen direkt in unserer Mitte, hier in Amsterdam abgespielt haben, läuft es einem kalt den Rücken herunter. Was tat sie da nur? Was hat sie dazu gebracht? Alles was bleibt, sind diese Fragen und mehrere verstörte Amsterdamer, die diese Vorkommnisse jetzt erst einmal verarbeiten müssen.




So, Spaß beiseite. Aber so wie mich die Leute angestarrt haben, könnte man echt meinen ich steh morgen in der Zeitung. Noch nie n Mädel mit zu vielen Sockelleisten gesehen? Okay, ich geb zu, vielleicht war es nicht ganz so durchdacht, knapp 3m lange Sockelleisten für 2 große Räume auf einmal zu kaufen und damit auch noch Metro zu fahren. Aber man will ja Geld sparen.
Und schön zu sehen, dass einen die Menschen lieber auslachen (bzw. freundlich Mut zulächeln?) als mal kurz mitzuhelfen, während ich fast draufgeh ^^ Erst in Zuidoost hab ich dann  - gleich von mehreren Menschen - Hilfe angeboten bekommen. In dem Stadtteil, der von den anderen Amsterdamern als Ausländer- und "böse-Jungs"-Ghetto verschrien ist. Glückwunsch zur geistigen Beschränktheit.
Naja, jedenfalls weiß ich jetzt, dass ich über 30m Sockelleisten auf einmal tragen kann. Juhu. oO ;) 

Und wieder einmal hab ich gemerkt, dass mir die Arbeit hier so viel Spaß macht, dass ich es gar nicht als Arbeit empfinde. Am Samstag war ich mit Geeske (sie kommt 1x die Woche freiwillig, um im Haus zu helfen) und drei von den Kindern im Schwimmbad.

Dadurch konnte ich vor allem auch zu den Kindern eine bessere Beziehung aufbauen, was mich echt gefreut hat. Auch wenn es VERDAMMT anstrengend ist, 4 Stunden lang nach 3 kleinen Kindern zu schauen. Geeske und ich waren nacher komplett erledigt :D


Sonntag ging es dann ab nach Utrecht (ca. 25min von A'dam). Wieder mit den Kindern, Wibo & Maria (auch eine freiwillige Helferin). Wir schauten "Peter en zijn Wolf" an und wanderten danach noch ein bisschen durch Utrecht.

Fei Fei, Aisha, Onno, Rosa (aus Onnos Klasse), Jia Jia


 
Onno & Jai Jia


 
Königlicher Hofadel :)



 Im Konzertsaal

Die anderen sind dann nach Hause & ich bin noch etwas da geblieben, um mir das Stadtzentrum anzuschauen. Und eigentlich wollte ich mich noch mit Konstantin treffen (ASF-Freiwilliger aus Utrecht), hatte aber intelligenterweise keine Nummer bei mir, um ihn von diesem Vorhaben zu informieren ^^ Deswegen hab ich mir ein bisschen selber das Stadtzentrum angeschaut und bin dann auch nach Hause gefahren. Meiner Meinung nach sieht Utrecht aus wie Amsterdam, nur kleiner und verwinkelter. Mit mehr Kleinstadtflair. :)

Das einzige Foto von Utrecht, bevor mein Akku leer ging -.-


Abends war ich noch mit Maria im Kino, dann im Studentenwohnheim. Ein komplett vollgestopftes Wochenende also, so wie ichs gern hab ;)




Beim ADE mit Baskerville (NL)
Nebenbei ist noch zu erwähnen, dass zwischen Mittwoch und Sonntag das ADE (Amsterdam Dance Event) stattgefunden hat. Wer ein bisschen an elektronischer Musik interssiert ist weiß, dass es sich hierbei um eines der größten Clubfestivals weltweit handelt, mit internationalen musikalischen Größen dieser Richtung. Wer nicht hingegangen ist, hat definitiv was verpasst. (Nur um euch ein bisschen neidisch zu machen :P)                       





Soviel zu den letzten Tagen :)