Sonntag, 5. Juni 2011

Ich bleibe - I will stay.

Das erste Lied, das ich gehört habe, als ich damals nach Amsterdam gekommen bin, ist musikalisch nicht sonderlich wertvoll, beschreibt meinen Zustand aber mehr als treffend: "Aan de Amsterdamse grachten, heb ik heel mijn hart voor altijd verpand.." ~ Mein Herz gehört für alle Zeit den Amsterdamer Grachten. 

 
 Als ich vor 8,5 Monaten von zu Hause wegging, mit dem Ziel ein Jahr in Amsterdam zu wohnen, stand es für mich nicht zur Debatte, dass ich nach diesem Jahr eventuell hier bleiben würde. 

Mit viel zu schnell dahinziehendem Monaten und näherrückendem Ende wurde der Wunsch, länger zu bleiben, immer größer. Wie kurz ein Jahr doch ist. Und dann? Einfach so wieder weg von hier? Unvorstellbar.
Was vor zwei Monaten mit einem Gedanken begann, ist nun Wirklichkeit. 

Ich bleibe hier, ich bleibe in Amsterdam!


Nachdem ich angefangen hatte, konkret über ein Studium hier nachzudenken, nach Möglichkeiten zu suchen und mich selbst langsam aber sicher an den Gedanken zu gewöhnen, stieß ich auf das Amsterdam University College und sein Liberal Arts & Sciences Programm und es stand sofort fest - das und nichts anderes!

Ich habe mich also 2 Monate nach Ablauf der Bewerbungsfrist um einen der nur 200 Plätze beworben, und was erst zu schön um wahr zu sein schien, wenn nicht gar unmöglich, wurde Realität. Nach einem Aufwändigen Bewerbungsprozess habe ich letzte Woche meine Zusage bekommen!
An dieser Stelle ein unendlich (!!!) großes Dankeschön an alle, ohne die ich das nicht geschafft hätte - an die, die Empfehlungsschreiben verfasst, mich durch komplizierte wissenschaftliche Fragestellungen geleitet, essays kontrolliert, mein Englisch perfektioniert, und Dokumente aus Deutschland geschickt haben. Ich kann euch/Ihnen gar nicht genug danken. Außerdem auch an alle, die mir Mut zugesprochen haben, während ich selbst kaum an eine Zusage glauben konnte. 
Und auch alle, die mich trotzdem unterstützt haben & unterstützen, auch wenn sie mich lieber wieder "zu Hause" gesehen hätten. Ihr seid die Besten!

Und wie schon damals, auf meinem Weg hierher nach Amsterdam, bin ich mir auch mit der Entscheidung, noch 3 weitere Jahre zu bleiben, 100%ig sicher, das Richtige zu tun und einfach nur überglücklich. 
Und jetzt, da die Angst vor dem "Ende" wegfällt, fällt es mir auch viel leichter, die restliche Zeit hier im Noelhuis voll und ganz zu genießen. 

Ich hör jetzt auf zu schreiben, sonst wird das Grinsen auf meinem Gesicht noch chronisch.
Alles Liebe,
ein Glückskind

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The first song I've heard when I came to Amsterdam is not a musicially precious one but it is so true and totally describes my situation: "Aan de Amsterdamse grachten, heb ik heel mijn hart voor altijd verpand" - I've dedicated my heart to Amsterdam's canals forever.

When I left home 8,5 months ago to live one year in Amsterdam, I never wasted even one thought on staying here after this year.
But the months passed by way too fast and the end came nearer and nearer and with that my wish to stay became bigger and bigger. How short one year can be. And after that? Simply leave and go back again? Unimaginable.
What started as an idea two months ago, becomes reality now.

I will stay here, I'm going to stay in Amsterdam!
After I had started to concretely think about studying here and to search for different possibilities, I discovered Amsterdam University College and its Liberal Arts & Sciences program and I knew immediately, that this was exactly what I wanted.

Thus I applied two months after the deadline for one of the only 200 places at AUC. What seemed to be too good to be true in the beginning, is now reality. After a complex application process I got a place offered last week!

At this point a giant (!!!) Thank You to everyone who has made this possible - to all the people who wrote recommendations, who guided me through complicated scientific questions, who checked my essays, who brought my English to perfection, or who sent documents from Germany. I cannot thank you enough. Besides thanks to everyone who has kept encouraging me, while I barely could believe in an admission.
And thanks to everyone who has supported and supports me, while they'd rather like to see me "back home" again. You're the best!

And again I have the same feeling I've had some months ago, on my way to Amsterdam - the feeling of doing 100% the right thing. And that makes me endlessly happy.

And now, once the fear of "the end" has vanished, I can enjoy the last time here in Noelhuis even more.

I'm going to stop writing now, before the grin on my face becomes chronic.
With love,
the luckiest person on earth

Freitag, 27. Mai 2011

If everyone shared

Unter den Rauchern des Hauses ist es so Gang und Gebe, dass Zigaretten (aus)geteilt werden, sodass eigentlich nie jemand 'rauchfrei' ausgehen muss. (Und ja, das ist die Formulierung eines Rauchers und ja, ich weiß dass unsere Gesundheit das nicht so toll findet).

Heute Abend standen wir auf unserer Terasse und haben noch einmal tiefergehend darüber nachgedacht. B. aus Äthiopien, 21 Jahre, sagte dann: "Wisst ihr, in meinem Land ist es normal, dass man alles teilt, auch wenn man nichts hat. Menschen ohne Dach über dem Kopf schlafen & essen einfach bei anderen, so hilft jeder irgendwie jedem. Es gibt so viele arme Menschen in meinem Land".
B. ist selbst obdachlos.

Das hat mich bis jetzt beschäftigt, was-wäre-wenn-Szenarien in meinem Kopf kreiert, und utopische Phantasien von Nächstenliebe und Weltfrieden entstehen lassen, sodass ich das nun doch noch eben aufschreiben muss. Wie einfach doch alles sein könnte. 
In Äthiopien haben sie nichts und teilen doch ihre letzten Reste miteinander. Hier haben wir alles, und sorgen schön dafür, dass das auch so bleibt. Nur nichts abgeben. Wie viel einfacher vieles sein könnte, würden wir nur den Geiz-Regler ein bisschen runter-, und den Mitmenschlichkeits-Regler ein bisschen hochschieben. Nur ein kleines bisschen.

Dienstag, 24. Mai 2011

Up, up, up!

Die letzten Wochen scheinen unter einem guten Stern zu stehen, die guten Nachrichten häufen sich. Eindelijk!

Zunächst einmal ist meine vormalige liberianische Mitbewohnerin nun - endlich, nach 5 Monaten - aus dem Gefängnis Rotterdam entlassen worden!!! Sie stellt nun erneut Antag auf Asyl.
Und ich kann ihr endlich ihren Spiegel zurück geben, den ich nun schon so lange in guter Hoffnung für sie aufbewahrt habe. Nach 10 Jahren in den Niederlanden hat sie es so sehr verdient, endlich "anzukommen", endlich leben zu dürfen. Wir hoffen alle ganz besonders für sie.

Und zum zweiten - man wird es kaum glauben - haben R. aus Eritrea und ihre Tochter S. ihre Papiere bekommen!!! Während ich das schreibe, kann ichs gar nicht fassen! 3,5 Jahre Kampf, eine abgewiesene Asylanfrage, im letzten Moment noch davor gerettet, das Noelhuis verlassen zu müssen, ein 2jähriges Kind, dass den Status 'staatenlos' trägt.. und plötzlich geht alles unerwartet schnell. Erst kam ihr Identitätsbeweis aus Eritrea. 
Eine Woche darauf habe ich R. & nach Ter Apel begleitet (irgendein Dorf, sprichwörtlich befindlich am A**** von den Niederlanden und Anmeldezentrum für Asylbewerber):


 





























5 Stunden Zug hin, 11 Stunden (!!) warten, 5min Fingerabdrücke & Foto, 5 Stunden Zug zurück, fertig. Asylantrag die 2. erledigt. Einen Monat später, Interview in Den Bosch. Zittern, bangen, hoffen. Letzten Freitag der Anruf der Anwältin: Ihr habt Papiere! Heute: PARTY!!
 
 

 (Fotos werden mit ihrer Zustimmung veröffentlicht)


Aber man merkt schon, wie sich der Rest der Bewohner zwar mitfreut, aber doch so gerne selbst an ihrer Stelle wäre. Und auch R. fühlt sich deswegen (unbegründeterweise) schlecht und meinte, alle sollten doch endlich ihre Papiere bekommen. Trotz ihres schlechten Gewissens den anderen gegenüber hat, kann man ihr die Freude und Erleichterung ansehen.

Viele wissen, wie nah mir die beiden stehen, und können sich deshalb bestimmt gut vorstellen, wie es mir/uns im Moment geht :) Das ist sicherlich einer der schönsten Momente diesen Jahres! :)

"concrete jungle where dreams are made..."

Oh ja, ich war in New York! :)
Als Urlauberin, als Touri, als andere-ASFler-Besucherin. 12 Tage lang, New York, Philadelphia, Camden und Washington D.C. Was als Spontantrip/Schnapsidee im Januar plötzlich gebucht war, war bis zum Abflugtag ein (benah komplett) unorganisierter Chaosurlaub. Aber Dank einer großen ASF-Familie mit großen Herzen für unorganisierte Mitmenschen, surfte ich von Couch zu Couch/ Bett zu Bett, wurde geguided, beratschlagt und begleitet und so wurde es doch einer der eindrücklichsten Urlaube bisher :)
Nicht nur wegen überwältigenden Städten (das steht außer Frage), sondern auch wegen überaus gezelligen Mitmenschen, viel schwäbischer "G'miatlichkeit" und ein Haufen gemeinsamer Trips, ganz in ASF-Manier.
Und auch hier nochmal ein öffentliches, aufrichtiges DANKE an alle, ohne die mein Trip nicht halb so schön gewesen wäre! u.a.:


ASF-Family: Lilly (NY), Yannick (Rotterdam), Annika (NY), Felix (NY), Abid (NY), Torben (NY), meine Wenigkeit, Manu (Philly) - v.l.n.r.


Ich landete am 05.05. abends in New York, fuhr am 08.05. für 4 Tage nach Philadelphia mit 1-Tages-Ausflug nach Camden, dann für zwei Tage zurück nach New York, um dann zwei Tage in Washington zu verbringen, bis ich dann am Abflugtag wieder nach New York zum Kennedy-Airport zurück musste. In diesem Sinne ein HOCH auf die Chinabusse, die einen einfach mal für Preiskategorie "superbillig" durch die halbe Welt fahren :)

Da es hier wohl jeglichen Rahmen sprengen würde, all meine Erlebnisse aufzuschreiben beschränke ich mich darauf, ein paar Bilder hochzuladen. Wer schon einmal in NY war, weiß sowieso, wie es sich anfühlt und wer nicht, dem könnte ich es auch nicht einfach so beschreiben ;)
Eine Galerie mit ausführlich beschrifteten Bildern findet sich auch auf facebook.


 

















Ganz besonders hervorheben will ich eines meiner Highlights, zwei Tage in Manu's Projekt. In einem After-School-Program für Kinder obdachloser Eltern haben wir zusammen gespielt, geputzt, Hausaufgaben gemacht, getrommelt... Diese Kleinen haben ordentlich Eindruck auf mich hinterlassen und die Liebenswürdigkeit die sie (nicht nur) mir von Anfang an entgegen brachten, werde ich nicht so schnell vergessen :)


Zu den Fotos, here we go:
Most famous sights:


Central Park, NYC
















Time Square
New York's Skyline





Liberty Bell, Philly
South Street, Philly


City Hall, Philly
Ground Zero & das neue 'One World Trade Center'



Die Anfänge des neuen 'One World Trade Centers', NYC

Trinity Church, NYC


auf der Fähre nach Staten Island, Blick auf Downtown, Manhattan
Lady Liberty










Blick vom Rockefeller Center auf Uptown/ Manhattan & den Central Park


Blick vom Rockefeller Center auf Downtown/ Manhattan & das Empire State Building






ESB & me :)


Malcolm X Park, Washington D.C.





Sonstige Städteaufnahmen:


Eines der Häuser im Ghetto, Philadelphia. Ursprünglich für reiche Leute gebaut, wie man sieht.

Das einzige Foto aus Camden. Den Rest der Zeit hatte ich zu viel Angst, ausgeraubt zu werden. Ich glaub ich war die einzie Weiße in der ganzen Stadt.






Und ansonsten: Viel BBQ & viel gezelligheid!:






~ 30 Trommler im Malcolm X Park, D.C.





Ein ganzes Land sieht 'oranje'

Der Geburtstag der (ehemaligen, aber egal, interessiert niemanden) Königin ist jährlich immer wieder aufs Neue Grund und Anlass dafür, dass sich ein ganzes Land - ganz in orange gekleidet - hemmungslos volllaufen lässt. Zu diesem Anlass strömen ganze Menschenmassen in die Hauptstadt, dieses Jahr ca. 800.000, und sorgen damit für Bewegungsunfähigkeit deluxe. Das bedeutet vollgestopfte Straßen en masse und Amsterdam sieht aus wie ein riesen Ameisenhaufen voller orangefarbener Krabbeltiere.

Wer das Ganze beschönigender ausdrücken will, würde sagen: am koninginnedag (30.04.), kleiden sich die Menschen jedes Jahr aufs Neue vorzugsweise in orange (Farbe des Königshauses) oder rot-weiß-blau (Nationalfarben), feiern die Königin, am liebsten in der Hauptstadt, fahren dazu auf Booten über die Grachten oder ziehen durch die Straßen, weil sich die Stadt in einen riesen Flohmarkt verwandelt und vor allem Kinder dort ihren Ramsch loswerden und ein bisschen Geld verdienen können, oder nehmen an einer der unzähligen Feierlichkeiten zu Ehren der Königin teil. Diese finden vor allem in Cafés und Bars statt.
Wie man vielleicht schon vermuten könnte, habe ich den Königinnentag nicht in der Kinderflohmarkt-Variante erlebt ;)
Man muss ja zugeben, sie haben es probiert, im Zaum zu halten - Bier-Verkaufs-Limit von 1 Dose/Flasche am besagtem Tag, verstärkte Polizeipräsenz, Party-stopp um 20 Uhr statt - wie in den Jahren zuvor - um 21 Uhr. Gebracht zu haben scheint es nicht wirklich was, denn am Tag zuvor sah man den ganzen Tag Leute mit ganzen Einkaufswägen voller Bierpaletten aus den Supermärkten strömen, und wenn man morgens um 8 schon anfängt zu trinken, dann ist es auch nicht mehr so schlimm abends um 8 wieder aufhören zu müssen. Wenn man überhaupt so lange durchhält.
Für mich als "Neuling" war der ganze Tag ziemlich einprägend, eine ganze Stadt so voll wie das Ulmer Volksfest! Und dennoch kann ich verstehen warum viele Amsterdamer genug von diesem "Massenbesäufnis" haben. Wie die Stadt am nächsten Morgen aussah, lässt sich mit dem Wort "Müllhalde" auch nur gerade mal annähernd beschreiben.



 Eva und ich haben uns dem Stadbild angepasst, dass da wie folgt aussieht:

























































Fortbewegungsgeschwindigkeit 0,2km/h. Die Erfahrung war's auf jeden Fall wert! :)

Sonntag, 24. April 2011

Ad de Bont - Vluchteling?

Maar ik ben geen vluchteling,
want ik ben niet gevlucht.
Ik ben weggewaaid
als een blad van een boom.


Er is in ons land
een verschrikkelijke wind opgestoken,
een wind vol vuur en verkrachting,
en op een dag,
op een dag die ik me niet meer herinner,
die ik me niet meer durf te herinneren,
ben ik weggewaaid.

Wie zou er uit zichzelf vluchten,
wie zou er zonder afscheid te nemen
z'n eigen huis
z'n eigen dorp of stad,
z'n eigen land
z'n eigen familie in de steek laten
en dan
ergens aankomen
waar je niet welkom bent?

Vluchtelingen zijn nooit welkom
nergens;
dat weet iedereen.
Dat heeft zelfs de geschiedenis
al zo vaak bewezen.

Waarom zou je dan vluchten,
waarom een langzame dood
in een vreemd land,
als je op de drempel van je eigen huis
ook kunt sterven?

Vluchtelingen bestaan niet,
er bestaan alleen weggewaaide mensen
die door de wind
over de wereld zijn geblazen.


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Flüchtling? 


Aber ich bin kein Flüchtling,
denn ich bin nicht geflüchtet.
Ich wurde weggeweht
wie ein Blatt von einem Baum.


In unserem Land
ist ein schrecklicher Wind aufgezogen,
ein Wind voll Feuer und Vergewaltigung,
und eines Tages,
eines Tages, an den ich mich nicht mehr erinnere,
an den ich mich nicht mehr traue zu erinnern,
wurde ich weggeweht.


Wer würde freiwillig flüchten,
wer würde ohne Abschied zu nehmen
sein eigenes Haus,
sein eigenes Dorf oder seine eigene Stadt,
sein eigenes Land,
seine eigene Familie im Stich lassen
und dann
irgendwo ankommen
wo er nicht willkommen ist?


Flüchtlinge sind nie willkommen
nirgendwo;
das weiß jeder.
Das hat selbst die Geschichte,
schon so oft bewiesen.


Warum sollte man dann flüchten,
warum einen langsamen Tod
in einem fremden Land finden,
wenn man doch auf der Türschwelle seines eigenen Hauses
auch sterben kann?


Es gibt keine Flüchtlinge,
es gibt nur weggewehte Menschen,
die durch den Wind
über die Welt geblasen worden sind.

Montag, 18. April 2011

Bowling gegen den Alltag

Um dem Alltag ein bisschen zu entfliehen, sind wir gestern mit dem ganzen Haus und vielen ehemaligen Bewohnern und Freunden des Hauses bowlen gewesen.
Es war schön zu sehen, wie gut das allen getan hat. Verborgene Talente wurden entdeckt, es wurde geflucht, gejubelt, 2jährigen beim Bowlingkugel-werfen geholfen und vor allem gemeinsam zumindest ein bisschen das "Drumherum" vergessen. Abgeschlossen wurde dieser Tag mit einem großen Pizza-Buffet. Schön war auch, dass meine Mama und Artur, mein Stiefpapa, dieses Wochenende zu Besuch waren, mitgebowlt haben, und sich super mit den  Hausbewohnern verstanden haben.
Ein perfekter Tag, der definitiv widerholungsbedürftig ist.