Dienstag, 24. Mai 2011

"concrete jungle where dreams are made..."

Oh ja, ich war in New York! :)
Als Urlauberin, als Touri, als andere-ASFler-Besucherin. 12 Tage lang, New York, Philadelphia, Camden und Washington D.C. Was als Spontantrip/Schnapsidee im Januar plötzlich gebucht war, war bis zum Abflugtag ein (benah komplett) unorganisierter Chaosurlaub. Aber Dank einer großen ASF-Familie mit großen Herzen für unorganisierte Mitmenschen, surfte ich von Couch zu Couch/ Bett zu Bett, wurde geguided, beratschlagt und begleitet und so wurde es doch einer der eindrücklichsten Urlaube bisher :)
Nicht nur wegen überwältigenden Städten (das steht außer Frage), sondern auch wegen überaus gezelligen Mitmenschen, viel schwäbischer "G'miatlichkeit" und ein Haufen gemeinsamer Trips, ganz in ASF-Manier.
Und auch hier nochmal ein öffentliches, aufrichtiges DANKE an alle, ohne die mein Trip nicht halb so schön gewesen wäre! u.a.:


ASF-Family: Lilly (NY), Yannick (Rotterdam), Annika (NY), Felix (NY), Abid (NY), Torben (NY), meine Wenigkeit, Manu (Philly) - v.l.n.r.


Ich landete am 05.05. abends in New York, fuhr am 08.05. für 4 Tage nach Philadelphia mit 1-Tages-Ausflug nach Camden, dann für zwei Tage zurück nach New York, um dann zwei Tage in Washington zu verbringen, bis ich dann am Abflugtag wieder nach New York zum Kennedy-Airport zurück musste. In diesem Sinne ein HOCH auf die Chinabusse, die einen einfach mal für Preiskategorie "superbillig" durch die halbe Welt fahren :)

Da es hier wohl jeglichen Rahmen sprengen würde, all meine Erlebnisse aufzuschreiben beschränke ich mich darauf, ein paar Bilder hochzuladen. Wer schon einmal in NY war, weiß sowieso, wie es sich anfühlt und wer nicht, dem könnte ich es auch nicht einfach so beschreiben ;)
Eine Galerie mit ausführlich beschrifteten Bildern findet sich auch auf facebook.


 

















Ganz besonders hervorheben will ich eines meiner Highlights, zwei Tage in Manu's Projekt. In einem After-School-Program für Kinder obdachloser Eltern haben wir zusammen gespielt, geputzt, Hausaufgaben gemacht, getrommelt... Diese Kleinen haben ordentlich Eindruck auf mich hinterlassen und die Liebenswürdigkeit die sie (nicht nur) mir von Anfang an entgegen brachten, werde ich nicht so schnell vergessen :)


Zu den Fotos, here we go:
Most famous sights:


Central Park, NYC
















Time Square
New York's Skyline





Liberty Bell, Philly
South Street, Philly


City Hall, Philly
Ground Zero & das neue 'One World Trade Center'



Die Anfänge des neuen 'One World Trade Centers', NYC

Trinity Church, NYC


auf der Fähre nach Staten Island, Blick auf Downtown, Manhattan
Lady Liberty










Blick vom Rockefeller Center auf Uptown/ Manhattan & den Central Park


Blick vom Rockefeller Center auf Downtown/ Manhattan & das Empire State Building






ESB & me :)


Malcolm X Park, Washington D.C.





Sonstige Städteaufnahmen:


Eines der Häuser im Ghetto, Philadelphia. Ursprünglich für reiche Leute gebaut, wie man sieht.

Das einzige Foto aus Camden. Den Rest der Zeit hatte ich zu viel Angst, ausgeraubt zu werden. Ich glaub ich war die einzie Weiße in der ganzen Stadt.






Und ansonsten: Viel BBQ & viel gezelligheid!:






~ 30 Trommler im Malcolm X Park, D.C.





Ein ganzes Land sieht 'oranje'

Der Geburtstag der (ehemaligen, aber egal, interessiert niemanden) Königin ist jährlich immer wieder aufs Neue Grund und Anlass dafür, dass sich ein ganzes Land - ganz in orange gekleidet - hemmungslos volllaufen lässt. Zu diesem Anlass strömen ganze Menschenmassen in die Hauptstadt, dieses Jahr ca. 800.000, und sorgen damit für Bewegungsunfähigkeit deluxe. Das bedeutet vollgestopfte Straßen en masse und Amsterdam sieht aus wie ein riesen Ameisenhaufen voller orangefarbener Krabbeltiere.

Wer das Ganze beschönigender ausdrücken will, würde sagen: am koninginnedag (30.04.), kleiden sich die Menschen jedes Jahr aufs Neue vorzugsweise in orange (Farbe des Königshauses) oder rot-weiß-blau (Nationalfarben), feiern die Königin, am liebsten in der Hauptstadt, fahren dazu auf Booten über die Grachten oder ziehen durch die Straßen, weil sich die Stadt in einen riesen Flohmarkt verwandelt und vor allem Kinder dort ihren Ramsch loswerden und ein bisschen Geld verdienen können, oder nehmen an einer der unzähligen Feierlichkeiten zu Ehren der Königin teil. Diese finden vor allem in Cafés und Bars statt.
Wie man vielleicht schon vermuten könnte, habe ich den Königinnentag nicht in der Kinderflohmarkt-Variante erlebt ;)
Man muss ja zugeben, sie haben es probiert, im Zaum zu halten - Bier-Verkaufs-Limit von 1 Dose/Flasche am besagtem Tag, verstärkte Polizeipräsenz, Party-stopp um 20 Uhr statt - wie in den Jahren zuvor - um 21 Uhr. Gebracht zu haben scheint es nicht wirklich was, denn am Tag zuvor sah man den ganzen Tag Leute mit ganzen Einkaufswägen voller Bierpaletten aus den Supermärkten strömen, und wenn man morgens um 8 schon anfängt zu trinken, dann ist es auch nicht mehr so schlimm abends um 8 wieder aufhören zu müssen. Wenn man überhaupt so lange durchhält.
Für mich als "Neuling" war der ganze Tag ziemlich einprägend, eine ganze Stadt so voll wie das Ulmer Volksfest! Und dennoch kann ich verstehen warum viele Amsterdamer genug von diesem "Massenbesäufnis" haben. Wie die Stadt am nächsten Morgen aussah, lässt sich mit dem Wort "Müllhalde" auch nur gerade mal annähernd beschreiben.



 Eva und ich haben uns dem Stadbild angepasst, dass da wie folgt aussieht:

























































Fortbewegungsgeschwindigkeit 0,2km/h. Die Erfahrung war's auf jeden Fall wert! :)

Sonntag, 24. April 2011

Ad de Bont - Vluchteling?

Maar ik ben geen vluchteling,
want ik ben niet gevlucht.
Ik ben weggewaaid
als een blad van een boom.


Er is in ons land
een verschrikkelijke wind opgestoken,
een wind vol vuur en verkrachting,
en op een dag,
op een dag die ik me niet meer herinner,
die ik me niet meer durf te herinneren,
ben ik weggewaaid.

Wie zou er uit zichzelf vluchten,
wie zou er zonder afscheid te nemen
z'n eigen huis
z'n eigen dorp of stad,
z'n eigen land
z'n eigen familie in de steek laten
en dan
ergens aankomen
waar je niet welkom bent?

Vluchtelingen zijn nooit welkom
nergens;
dat weet iedereen.
Dat heeft zelfs de geschiedenis
al zo vaak bewezen.

Waarom zou je dan vluchten,
waarom een langzame dood
in een vreemd land,
als je op de drempel van je eigen huis
ook kunt sterven?

Vluchtelingen bestaan niet,
er bestaan alleen weggewaaide mensen
die door de wind
over de wereld zijn geblazen.


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Flüchtling? 


Aber ich bin kein Flüchtling,
denn ich bin nicht geflüchtet.
Ich wurde weggeweht
wie ein Blatt von einem Baum.


In unserem Land
ist ein schrecklicher Wind aufgezogen,
ein Wind voll Feuer und Vergewaltigung,
und eines Tages,
eines Tages, an den ich mich nicht mehr erinnere,
an den ich mich nicht mehr traue zu erinnern,
wurde ich weggeweht.


Wer würde freiwillig flüchten,
wer würde ohne Abschied zu nehmen
sein eigenes Haus,
sein eigenes Dorf oder seine eigene Stadt,
sein eigenes Land,
seine eigene Familie im Stich lassen
und dann
irgendwo ankommen
wo er nicht willkommen ist?


Flüchtlinge sind nie willkommen
nirgendwo;
das weiß jeder.
Das hat selbst die Geschichte,
schon so oft bewiesen.


Warum sollte man dann flüchten,
warum einen langsamen Tod
in einem fremden Land finden,
wenn man doch auf der Türschwelle seines eigenen Hauses
auch sterben kann?


Es gibt keine Flüchtlinge,
es gibt nur weggewehte Menschen,
die durch den Wind
über die Welt geblasen worden sind.

Montag, 18. April 2011

Bowling gegen den Alltag

Um dem Alltag ein bisschen zu entfliehen, sind wir gestern mit dem ganzen Haus und vielen ehemaligen Bewohnern und Freunden des Hauses bowlen gewesen.
Es war schön zu sehen, wie gut das allen getan hat. Verborgene Talente wurden entdeckt, es wurde geflucht, gejubelt, 2jährigen beim Bowlingkugel-werfen geholfen und vor allem gemeinsam zumindest ein bisschen das "Drumherum" vergessen. Abgeschlossen wurde dieser Tag mit einem großen Pizza-Buffet. Schön war auch, dass meine Mama und Artur, mein Stiefpapa, dieses Wochenende zu Besuch waren, mitgebowlt haben, und sich super mit den  Hausbewohnern verstanden haben.
Ein perfekter Tag, der definitiv widerholungsbedürftig ist.






Demonstration (Platform Stop Racisme en Uitsluiting)

Die Demonstration, die am 14.03.11 auf dem Dam Square in Amsterdam stattfand, ist zwar schon ein bisschen länger her, dennoch will ich euch folgende Bilder/Videos nicht vorenthalten.
Rund 1000 Menschen sind auf die Straße gegangen und haben mittels Kundgebungen und eines Protestmarsches sehen lassen, dass es doch noch Leute gibt, die sich gegen die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen hier stellen.


(Wenn man aber die Relation sieht im Vergleich zu den rund 750.000 Einwohnern Amsterdams, steht das schon wieder in einem anderen Licht)
Aber wir wollen ja nichts schlecht machen, es war definitiv ein Statement, dass z.B. der Protestmarsch einfach mal die ganze Innenstadt blockiert und den (öffentlichen) Verkehr lahm gelegt hat. Und es ist immer gut zu sehen, dass man nicht alleine steht.
Organisiert wurde das Ganze von der Platform Stop Racisme en Uitsluiting (Plattform gegen Rassismus und Ausgrenzung).










 


















Samstag, 9. April 2011

Was zur Hölle muss denn noch passieren??

Was zur Hölle muss denn noch passieren, bis jemand wach wird?

Vor zwei Tagen hat sich ein Mensch auf dem Dam Square in Amsterdam - mitten im Stadtzentrum, ca. 5km von mir weg - in Brand gesteckt und ist gestern seinen Verletzungen erlegen. Der Grund für diese Tat war bis heute unbekannt und Spekulationen entflammten in den Medien - verzweifelter Arbeitsloser? Psychisch Kranker?

Falsch. Das wahre Motiv ist seit heute bekannt: Der Mann war Asylbewerber.


Der gebürtige Iraner Kambiz Roustayi (36) verweilte schon seit mehr als zehn Jahren in den Niederlanden. Die Asylanfrage dieses Mannes, der im Herkunftsland regimekritische Meinung publizierte und dem dort deswegen Folter und Gefängnis drohen, wurde nach all diesen Jahren zum wiederholten Male abgewiesen.

Und Kambiz Roustayi steht nicht alleine damit. Viel zu oft sitzen Flüchtlinge in endlosen Gerichtsverfahren, wodurch sie nirgends ein normales Leben beginnen können: weder im Herkunftsland, wo sie ihres Lebens nicht sicher sind, noch im Zielland, in diesem Fall den Niederlanden, wo sie von der Welt abgeschieden in Asylsucherzentren leben müssen. An den Rand der Zivilisation gedrängt, mit dem Finger draufgezeigt, mit dem Wort "Illegale/r" bestempelt. Nein, diese Zeit, in der Asylbewerber in ihrem Asylprozess sitzen, und einfach nur abwarten müssen, ohne Handlungsmöglichkeit, ohne die Erlaubnis zu arbeiten, kann man definitiv nicht als „leben“ bezeichnen. Das Einzige, das bleibt, ist die Hoffnung auf ein "Positiv", eine Aufenthaltsgenehmigung. Was ein gegenteiliger Befund für diese Menschen bedeuten kann, wurde durch Kambiz Roustayi’s Verzweiflungstat deutlich.

Wenn ich mir durchlese, was ich geschrieben habe, merke ich, dass sich diese Geschichte liest, wie ein besonders dramatischer, schlechter Krimi - und doch bist das alles traurige Realität.
Wie aussichtslos kann die Situation eines Menschen sein, dass sie ihn zu so einer Tat treibt? Ein öffentlicher Hilfeschrei eines Einzelnen, der für viel zu viele spricht, und der die unmenschliche Asylpolitik der Niederlande offenlegt.

Und was passiert? Nichts. Ein paar niedergelegte Blumen, ein paar Beiträge über traumatisierte Augenzeugen, fertig. Was, WAS BITTE muss denn noch geschehen, bis die Menschen und vor allem die Politik anfängt zu denken? Wann fängt jemand an, sich dafür zu interessieren, dass die Asylpolitik völlig unzureichend ist, und nicht jedem, wie in der Theorie vorgesehen, die gleichen Chancen lässt?

Artikel 1 des Niederländischen Grundgesetztes besagt: „Allen die zich in Nederland bevinden, worden in gelijke gevallen gelijk behandeld. Discriminatie wegens godsdienst, levensovertuiging, politieke gezindheid, ras, geslacht of op welke grond dan ook, is niet toegestaan.”
(Alle, die sich in den Niederlanden befinden, werden in gleichen Dingen gleich behandelt. Diskriminierung aufgrund von Religion, Lebensweise, politischer Gesinnung, Rasse, Geschlecht oder jeglicher anderer Gründe ist nicht zulässig.)

Bloße Theorie? BlaBla ohne Hand und Fuß?
Was ist aus der Genfer Konvention geworden, die noch vor ein paar Jahrzehnten so überzeugt unterzeichnet wurde? Schnee von gestern?

Meine ehemalige Mitbewohnerin aus Liberia sitzt noch immer im Abschiebegefängnis im Rotterdam - 4 volle Monate! Sie ist laut Richterbeschluss legal, sie darf nicht im Gefängnis sitzen. Aber wen interessiert's? Den IND (Immigrations- & Neutralisationsdienst) sicherlich nicht. Ihre Anfrage auf medizinisch-psychologische Hilfe wurde zum zweiten Mal abgewiesen. Wöchentlich kommt der DT&V (~ Abschiebeorganisation) bei ihr zu Besuch, setzt sie in dieser verletztlichen Position immer wieder aufs Neue unter Druck, droht ihr mit Abschiebung, schüchtert sie ein mit dem Ziel, ihren Willen zu brechen, damit sie „freiwillig“ zurückkehrt, da man sie in diesem Moment per Gesetz nicht aussetzen kann. Und das dichte ich hier nicht nur des Dramas wegen hinzu, das ist wirklich Teil des „Asylprogrammes“ hier. Permanente Einschüchterung, Arbeitsverbot, und Umsiedlung von ASC (Asylsucherzentrum) nach ASC in regelmäßigen Abständen, um zu verhindern, dass die Migranten hier Wurzeln schlagen und sich zu Hause fühlen können.

Wie kann man denn eine so verwundbare Minderheit immer noch mehr abdrängen? Wenn nicht ein brennender Selbstmörder mitten im Stadtzentrum die Menschen wachrüttelt, was bitte muss denn noch passieren???

(vom 08.04.11)

Montag, 7. März 2011

Der steinige Weg eines Asylbewerbers

Dass der Versuch, hier Papiere zu bekommen, nicht nur nicht einfach ist, sondern ein echter Kampf ist, konnte man meinen vorherigen Einträgen ja schon entnehmen.

Was genauer mit Menschen passiert, die hier Asyl anfragen, versuche ich euch hiermit ein bisschen näher zu bringen. Dazu aber noch im Voraus: ich bin weder studierte Juristin, noch habe ich mich mit diesem Thema schon mein Leben lang befasst. Dies ist kein Expertenbeitrag, ich versuche nur, deutlicher zu machen, wie einzelne Schritte aussehen können.

Vielfältig sind die Wege von Migranten in die Niederlande. Meistens haben sie viel Geld an Leute bezahlt, die ihnen dann eine mögliche Einreise organisieren - via Flugzeug, Transporter, per Schiff... Oft dauert es lange Zeit, bis sie wirklich hier, an ihrem eigentlichen Ziel ankommen, da sie nur via mehrere verschiedene Länder hierherkommen können, und manchmal schon dort für einige Zeit im Gefängnis sitzen (z.B. in Griechenland, Italien). 

Zunächst einmal zu der Frage, was es bedeutet, illegalisiert zu werden:
Der Status "illegal" bedeutet, man hält sich gesetzlich unrechtmäßig im Land auf. Man muss immer und überall befürchten von der Fremdenpolizei erwischt, festgenommen und ins Abschiebegefängnis gesteckt zu werden, um dort auf seine Aussetzung zu warten. Und mit der neuen Regierung der Niederlande, die Illegalität strafbar stellen will, wird man dadurch sogar zum Straftäter. Dazu werde ich noch einen anderen Blogpost schreiben.
Link folgt hier.

Zur Asylprozedur: Einmal hier angekommen, können die Migranten hier Asyl anfragen. Alle, die hier das erste mal Asyl anfragen, sind bis zum Zeitpunkt der Bekanntgabe des Ergebnisses legal. Sie wohnen z.B. in Asylsuchercentren, wo sie jede Woche stempeln müssen. Nach einer Menge Papierkram und Wartezeit, bekommt ein Großteil ein "Negativ" - man wird zum Abgewiesenen und muss das Land verlassen. Solange man hier ist, ist man dann illegal. Wer kein Asyl anfragt, ist von vornherein illegal
Wer hier ein zweites, drittes... usw. Mal Asyl anfragt, darf das Verfahren nicht in den Niederlanden abwarten. Wer das doch tut, ist illegal
Nach nervenaufreibenden Monaten und Jahren bekommen manche Asylsucher doch noch eine Aufenthaltsgenehmigung. Diese ist jedoch zeitlich begrenzt und muss nach einer bestimmten Zeit (z.B. 5 Jahre) verlängert werden. Wird das nicht getan, oder der Verlängerung nicht zugestimmt, werden sie illegal. Auch durch verschiedene Umstände kann man im nachhinein noch zum/zur Illegalen erklärt werden, z.B. wenn das Land der Herkunft später als sicher erklärt wird und dadurch der Flüchtlingsstatus verloren geht, durch Straftaten (wo schon Schwarzfahren ausreichend sein kann), wenn der Partner die Aufenthaltsgenehmigung verliert oder durch Scheidung und und und.

Sitzt ein "Illegaler" erst ein mal im Abschiebegefängnis gibt es noch zwei Möglichkeiten. Er/sie wird erfolgreich abgeschoben oder als Unaussetzbar erklärt. Das passiert z.B. wenn die Herkunft nicht nachgewiesen werden kann. In diesem Fall muss der Gefangene wieder freigelassen werden, mit dem Ersuchen, das Land binnen 24 Stunden zu verlassen. Ab diesem Punkt, wo er auf die Straße gesetzt wird, all seine Besitztümer in einer Plastiktüte, bekommt er absolut keine offizielle Hilfe mehr.

Im Idealfall bekommt ein Asylsbewerber erst eine zeitlich begrenzte und dann eine permanente Aufenthaltsgenehmigung und kann dann nach 5 Jahren die Niederländische Staatsbürgerschaft anfragen. Der Weg dorthin ist lang und steinig und die Anzahl derer, bei denen das wirklich gelingt, ist leider verschwindend klein.

Von was es abhängt, eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, scheint manchmal komplett willkürlich. Dem IND (Immigrations- & Neutralisationsdienst der Niederlande) fallen immer wieder ganz tolle neue Gründe ein, warum jemand kein Asyl bekommt - die Person kommt ganz sicher gar nicht aus angegebenem Herkunftsland, die Situation im Herkunftsland ist doch schon lange wieder ganz ungefährlich für betreffende Person, was du hier willst, kannst du auch zu Hause usw. Es scheint, als würden die um Aufenthaltsgenehmigungen würfeln, wenn zwei Menschen mit genau gleicher Geschichte, unterschiedliche Ergebnisse bekommen.

(An dieser Stelle breche ich die Theorie vorerst ab, da diese ganze Asylanfragen-Welt voll ist von Ausnahmen, Spezialfällen und -verfahren, Berufungsprozessen, abweichenden Regelungen etc., und das hier wohl etwas zu weit führen würde.)

Soviel jedenfalls zum Theoretischen. Ganz praktisch gesehen bedeutet das für diese Menschen einen Riesenstress und eine nervliche Zerreißprobe. Das merke ich hier im Haus vor allem im letzter Zeit sehr deutlich.
Das eeeeeewige warten auf nur einen einzigen Brief, die Abhängigkeit von Anwälten, die sich lieber um reichere Klienten kümmern, die permanente Angst vor dem, was kommt, das klammern an einen einzigen Hoffnungsschimmer und die ungewisse Zukunft bestimmen wirklich die Gedanken aller. Manche können das besser, andere weniger gut überspielen und/oder verdrängen.

Vor allem wenn ich mit dem Jungen in meinem Alter rede, wird mir das immer wieder schmerzlich bewusst. 21 Jahre, vor 10 Jahren mit der Familie hier hergekommen, einen Monat zu spät, um unter das General Pardon zu fallen, Asylanfrage abgewiesen & sich selber überlassen. Zukunftsperspektive? Negativ.
Wir sind doch beide Menschen, haben gleich viel Lebenszeit hinter uns und doch so eine unterschiedliche Lebensgeschichte. Was ist denn daran noch gerecht, wenn allein der Geburtsort Menschen privilegiert und andere benachteiligt? Ein paar unterschiedliche Längen- und Breitengrade, die einem alle Chancen verbauen können, während ich ein wohl behütetes, einfaches Kleinbürgerleben führe, und mir alle Chancen offen stehen. Ich kann einfach mal so realistisch davon träumen, in unterschiedlichen Ländern zu studieren, überall hin zu reisen, wo ich gerade will. Anderen bleibt nur der Traum. Dass es Menschen gibt, die nur äußeren Umständen wegen keine Chance haben, aus ihrem Leben das zu machen, was sie wollen, war mir vorher nicht so deutlich bewusst.
Und in dem Moment muss ich mich wirklich zusammenreißen, um mich nicht deswegen schlecht zu fühlen, dass ich in Deutschland geboren wurde.